google
yahoo
bing

Qualitätsjournalismus als Auslaufmodell

Die Medien zögen sich von der aufwendigen journalistischen Arbeit immer mehr zurück, heißt es in einem lesenswerten Beitrag im Newsroom.de. Der Beitrag zeichnet zwar ein Bild von der Lage in den USA, dürfte aber in weiten Teilen auch auf Deutschland, Österreich und die Schweiz zutreffen.

Wegen wachsender Gewinnerwartungen der Kapitalgeber seien die vergangenen Jahre von Entlassungen, Büroschließungen und Sparprogrammen geprägt worden. Aus “Institutionen der Integrität” hätten die Geldgeber Unternehmen gemacht, die in erster Linie auf die Rendite schielen. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass die Zeitungen selbst in diesen Krisenjahren beachtliche Gewinne erwirtschafteten. Deshalb sei die Medienkrise sei “weniger Folge der technologischen Entwicklung als vielmehr eines moralischen Zusammenbruchs.”

Insbesondere der investigative Journalismus habe enorm gelitten. Die “Vierte Gewalt” der Demokratie sei deshalb von allen Seiten bedroht. Seit den 80er Jahren schwinde die Rolle der Qualitätsmedien als öffentlicher “Wachhund gegen die Macht”. Der Journalismus sei dadurch in einen Notstand geraten, wird der Publizist Sean Condon zitiert.

Der drohende Untergang des hochwertigen Journalismus sei “eine Bedrohung der Gesellschaft”, wird Prof. Conrad Fink zitiert, “über Herz und Seele des Journalismus” werde jetzt entschieden. Weil die alten Medien ihrer Wächterrolle immer weniger gerecht werden, seien die USA in eine soziale und politische Krise geraten, meint Sean Condon; denn die Verfassungsväter seien einst von einer Presse ausgegangen, die den Bürger umfassend und objektiv informiere. Dass sich die US-Medien davon weit entfernt hätten, zeige die unkritische Berichterstattung über den Irak-Krieg.

Sicherlich ist das eine Mitursache für das wachsende Desinteresse der Amerikaner an den klassischen Nachrichtensendungen und Zeitungen. “Die alten Medien sterben”, prophezeit Condon: Seit Blogger, Internet-Plattformen und kostenlose Web-Medien mit den klassischen Medien konkurrieren, befänden sich die Auflagen der Zeitungen und die Einschaltquoten der TV-Nachrichtenprogramme auf einer nicht enden wollenden Talfahrt. Während 1965 laut Studie des PEW-Instituts Washington noch 71 Prozent der Amerikaner Zeitungen lasen, sind es heute nur noch etwa 40 Prozent”, heißt es im Newsroom.de.

Thomas Kunkel, Direktor des Journalismus-Colleges der Universität Maryland, fragt deshalb: “Werden gut ausgebildete Journalisten “einmal so anachronistisch sein wie heute der Setzer in der Zeitung?” Sicher sei, dass der unbarmherzige Druck des modernen Nachrichtengeschäfts den Journalismus in ungeahntem Ausmaß verändert. “Stirb oder verändere dich”, habe die US-Zeitschrift ‚Editor and Publisher‘ als Parole ausgegeben.

Die Trennung zwischen den Redaktionen für Zeitung und Internet werde zunehmend aufgehoben. Dazu brauche es “flexible Journalisten, die rasch fürs Web und dann analysierend fürs Blatt arbeiten können.” Dabei verzichteten viele US-Zeitungen inzwischen “darauf, die Internet-Generation zum gedruckten Papier locken zu wollen”, schreibt Newsroom.de. Und Blätter wie die Savannah Morning News “stellen traditionellen Rubriken - wie Fernsehprogramme oder Börsenkurse - in Frage, die ohnehin aktueller im Netz zu finden sind.”

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.


De-Blogs Charts bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis