Wissensmanagement-Tools für Journalisten
Redaktionelles Wissensmanagement hat drei Dimensionen, die einzeln betrachtet werden sollten:
- das Medienunternehmen insgesamt,
- die einzelne Redaktion und
- den einzelnen redaktionellen Mitarbeiter oder Journalisten.
Redaktionelles Wissensmanagement beginnt damit, dass jedes Redaktionsmitglied Ordnung in die Informationsflut bringt, die im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit persönlich zu bewältigen hat. Nur wenn diese Basis stimmt, funktioniert kollektives Wissensmanagement auf Redaktions- und Unternehmensebene.
Zwei Werkzeuge für das persönliche Wissensmanagement, die auch als Wissensmanagement-Tools auf Teamebene taugen, stellen die Autoren des Weblogs Medienpraxis.ch jetzt vor. Ihr Beitrag macht deutlich, dass Wissensmanagement-Werkzeuge nicht Unsummen kosten müssen, sondern dass sie schon für kleines Geld oder gar kostenlos erhältlich sind.
Medienpraxis.ch stellt die Programme Cuecards und Scribbe Papers vor:
“Scribble Papers ist Freeware, Cuecards für wenig Geld zu haben. Beide Tools leisten gute Dienste und beide Tools werden kontinuierlich weiter entwickelt. Vom Funktionenmix und -umfang her ist mir Scribble Papers sympathischer. Aufgeräumter wirkt die Benutzeroberfläche von Cuecards. Cuecards kann in der neuesten Programmgeneration die Datenbanken auch auf MS-SQL-Servern speichern. Es lohnt sich, beide Programm im Hinbick auf die konkrete Aufgabenstellung zu testen.”
Thorsten Rox (roxomatic) ergänzt das Posting der Medienpraxis.ch in einem Kommentar um den digitalen “Zettelkasten” von Daniel Lüdecke, der sich am Arbeitsprinzip des Zettelkastens von Niklas Luhmann orientiert.
Ich möchte diese drei Empfehlungen um eine Liste von Web-Offices erweitern, von denen einige zwar eine andere Zielrichtung verfolgen als die oben genannten virtuellen Zettelkästen, die sich aber ebenfalls für persönliches wie - als sogenannte “Groupware” - für redaktionelles Wissensmanagement eignen und die obendrein den Vorteil haben, dass sie webbasiert sind, d.h. Datendateien können von jedem Web-PC aus bearbeitet werden und es muss - von einem Webbrowser abgesehen - keine Software installiert werden:
- Google-Office - Online-Textverarbeitung, die Versionierung und Arbeiten mit mehreren Personen an einem Dokument bietet, Tabellenkalkulation, Kalender, Feed-Reader
- ajax13 - Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Kalender, Malprogramm, Präsentationsprogramm
- ThinkFree
- Wridea
- Pagesflakes - deutschsprachig
- SnapBits
- Backpack
- mynoteIT
- Zoho
- grou.ps - eine Plattform, auf der Gruppen miteinander kommunizieren, zusammenarbeiten und Dokumente (Dateien,Foto,Videos) austauschen können. Integriert sind Mobile Funktionen, Instant Messaging, Desktop-Features und Nutzerrechte
- Zimbra - optisch ansprechende und mit vielen AJAX-Features versehene Groupware-Applikation (E-Mail, Kalender, Kontakte)
- Live-Documents - ein Service, der in bestehende Microsoft Office Installationen integriert werden kann und der gemeinsames Arbeiten an Word- und Excel-Dokumenten ermöglicht. Per Internet werden die Dateien synchronisiert, dabei behält man die Kontrolle auch über Dokumente, die man per E-Mail an andere verschickt hat
- Solodox - Mischung aus Online-Textverarbeitung und -Projektmanagement mit Filesharing und Synchronbearbeitung.
- Cyn.in - gehosteter Bliki-Service
Sehr empfehlenswerte Werkzeuge für das persönliche Wissensmanagement freiberuflich arbeitender “Einzelkämpfer”, für Journalistenbüros, für Redaktionen und ganze Medienunternehmen sind außerdem die Wiki-Engine MediaWiki und die besonders leicht zu installierende Bliki-Engine SnipSnap.
Wikis und Blikis eignen sich, wenn sie entsprechend eingerichtet und vorstrukturiert werden, hervorragend für …
- das kollaborative Entwickeln von Texten (Artikel, Konzepte),
- das Management von Primärwissen (also über den Zuständigkeitsbereich der Redaktion, beispielsweise den Sprengel einer Lokalredaktion),
- das Management von Zugangswissen (Ansprechpartner, mediographische Informationen, Weblinks),
- das Sammeln und kollaborative Entwickeln von Themenideen,
- den redaktionsinternen Meinungsaustausch (Diskussionen),
- Planung und Management redaktioneller Projekte (Sonderausgaben, Beilagen, Serien, Berichterstattung über Wahlkampf und Wahlen auf kommunaler, auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene),
- die Ausgabenplanung,
- die Dienst- und Urlaubsplanung,
- Projekt-Dokumentation,
- Best-Practise-Sharing und
- Lessons Learned.
Auf die innovativen Möglichkeiten, die Weblogs und Wikis dem redaktionellen Wissensmanagement erschließen, sowie auf den Einsatz korrespondierender Wikis und Weblogs bzw. auf den Bliki-Einsatz insbesondere für partizipativen Journalismus geht dieses Weblog demnächst näher ein.
www.redaktionelles-wissensmanagement.de