Werkzeuge und Methoden für Wissensarbeiter

Theoretische und praktische Grundlagen, Werkzeuge, Methoden und Trends eines redaktionellen Wissensmanagements, das sich der Hilfe zeitgemäßer Social-Software-Tools bedient, werden im Band “Redaktionelles Wissensmanagement” erläutert, der im Juli im UVK-Verlag Konstanz erscheint. Die rasch wachsende Social-Software-Familie macht einen Bürgerjournalismus, wie er einst von Brecht und Benjamin und jüngst von Dan Gillmor entworfen wurde, erstmals alltagstauglich.
Etablierte Medien sehen in den neuen Web 2.0-Technologien, deren er sich bedient, in erster Linie eine Bedrohung und einen Innovationstreiber, der sie zu Reaktionen und Veränderungen zwingt. Dabei übersehen sie, dass Wikis, Weblogs und andere Content-Management-Systeme zugleich innovative Werkzeuge sind, die der Wissensarbeit neue Horizonte eröffnet - in Redaktionen und Journalistenbüros ebenso wie in Abteilungen und Agenturen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie für das persönliche Wissensmanagement journalistischer Soloworker.

Redakteurs-Weblogs machen Echtzeit-Journalismus für den Printbereich zu einer interessanten Option; Autor und Leser rücken bis auf die Entfernung eines Mausklicks zusammen. Wikis brechen starre Arbeitsformen auf, helfen, redaktionelles Wissen mit bislang unmöglicher Effizienz zu sichern, zu pflegen, zu strukturieren, zu erschließen und hochverfügbar zu machen. Sie fördern den Wissenstransfer innerhalb einzelner Redaktionen wie Redaktionen übergreifend sowie zwischen Redaktionen und ihren Mitarbeitern. Die klassischen Print-Redaktionssysteme werden in den nächsten Jahren zunehmend zu Content-Management-Systemen weiterentwickelt, die auch die Steuerung des Workflows crossmedial arbeitender Newsdesks übernehmen. Eine regelrechte Industrialisierung der redaktionellen Wissensarbeit wird die Folge sein.
Um maximale Effizienz und Produktqualität zu erzielen, werden Routinen redaktioneller Wertschöpfung mit Hilfe integrierter Wissensmanagement- und Workflow-Systeme standardisiert. Redaktionelle Wissensarbeit, bislang eher aus dem Bauch heraus und auf Zuruf geleistet, wird damit auf die soliden Füße eines dezidierten Wissensmanagements gestellt, das gleichermaßen wichtiges Primär- und Zugangs- sowie Selbstverwaltungswissen und Wissen über redaktionelle Wertschöpfungsprozesse umfasst.
Dieser Band vermittelt die begrifflichen und theoretischen Grundlagen des redaktionellen Wissensmanagements, er skizziert Methoden zur kollaborativen Sicherung, Bewahrung, Pflege und Nutzung redaktionswichtigen Wissens mit Hilfe von Social Computing sowie die Möglichkeiten, die Feeds, News-Aggregatoren und andere Web-2.0-typische Technologien und -dienste bei Themenfindung, Recherche und Dokumentation bieten, und er entwirft eine Vision künftiger redaktioneller Arbeit.
Dann werden - detailliert und leicht verständlich - Aufbau und Strukturierung einer aus Open-Source-Komponenten bestehenden redaktionellen Wissensdatenbank sowie Möglichkeiten ihrer Einbindung in die redaktionellen Wertschöpfungsroutinen dargestellt. Grundlage der vorgestellten Freitext-Datenbank ist die für die Internet-Enzyklopädie Wikipedia entwickelte MediaWiki-Software. Ergänzt wird diese Wiki-Engine um einige Plugins, die auf die besonderen Anforderungen des redaktionellen Wissensmanagements abgestimmt und die eigens für dieses Buch programmiert wurden. Die gesamte Software, die zum Aufbau der vorgestellten Wissensdatenbank nötig ist, steht zum kostenlosen Download im Internet bereit.
Der Verfasser der Neuerscheinung, Anton Simons, Jahrgang 1960, ist - nicht ganz zufällig - Betreiber des gleichnamigen Weblogs. Er studierte Philosophie mit den Schwerpunkten Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie, Psychologie sowie Soziologie in Bonn, Köln und Frankfurt. Daneben befasste er sich mit Arbeits- und Wissensmanagement-Methoden und -Werkzeugen für Geisteswissenschaftler und für Autoren geistes-, sozialwissenschaftlicher und journalistischer Texte. Nach Magister-Examen, Praktika und Volontariat war er Redaktionsleiter bei der Thüringer Tagespost im südthüringischen Suhl, bevor er als Lokalredakteur zur Koblenzer Rhein-Zeitung wechselte. Dort intensivierte er die bereits Mitte der 80er Jahre begonnene Entwicklung von Methoden und Werkzeugen einer datenbankgestützten redaktionellen Wissensarbeit.
- H i e r ist das neue “Druckreif” mit Infos zu den aktuellen Neuerscheinungen im UVK-Verlag ist als PDF-Download erhältlich.
Reaktionen aus der Blogosphäre:
- Wissensmanagement für Journalisten mit Hilfe neuer Technologien (Knowledge Management & News Ressources v. 10. November 2007)
www.redaktionelles-wissensmanagement.de